künstliche Befruchtung einer Eizelle unterm Miskroskop

Euer sehnlichster Wunsch ist ein Baby, aber irgendwie will es seit über einem Jahr nicht klappen? Mit medizinischer Unterstützung kann vielleicht auch euer Traum vom Baby in Erfüllung gehen. Hier erhältst du einen Überblick, welche Methoden es gibt.

Dr. med. Julia Endreß
Geschrieben durch Redaktion 24schwanger.de
Medizinisch überprüft durch Dr. med. Julia Endreß | Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin und Ernährungsmedizin
Letztes Update 9 Mai 2022

Was ist eine künstliche Befruchtung?

Bei der klassischen künstlichen Befruchtung werden die Eizelle der Frau und die Samenzelle des Mannes außerhalb des weiblichen Körpers zusammengeführt. Im Brutkasten kommt es dann hoffentlich zur Verschmelzung der Beiden. Die daraus entstandene befruchtete Eizelle wird in einem medizinischen Eingriff zurück in die Gebärmutter der Frau gesetzt. Ziel ist es, dass sich das befruchtete Ei selbst in die Gebärmutterschleimhaut einnistet und es somit zu einer Schwangerschaft kommt.

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Wann ist eine künstliche Befruchtung sinnvoll?

Wenn du trotz ungeschütztem Sex nicht schwanger wirst, kann dich dein Frauenarzt zu einer Kinderwunschklinik überweisen. Der Spezialist wird dich und deinen Partner untersuchen. Bei manchen Paaren zeigt sich, dass bei der Frau, dem Mann oder bei beiden eine Störung der Fruchtbarkeit vorliegt. Diese kann vielfältige Ursachen haben.

Nicht immer muss man bei einer Fruchtbarkeitsstörung direkt an eine künstliche Befruchtung denken. Denn oftmals kann eine Hormonbehandlung der Frau helfen, um schwanger zu werden.

Durch zum Beispiel die Einnahme von Hormonen kann die Reifung der Eizelle verbessert und die zweite Zyklushälfte stabilisiert werden. In diesem Fall wird die Befruchtung der Eizelle zunächst auf natürlichem Weg probiert. Wenn das nicht funktionieren sollte, wird der Arzt der Kinderwunschklinik weitere Schritte mit dir planen.

Es gibt aber auch andere körperliche Ursachen, bei denen man nicht auf natürlichem Weg schwanger werden kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn bei der Frau wegen einer früheren Infektion oder bestimmten Formen der Endometriose die Eileiter verwachsen sind. Dadurch können die Samenzellen nicht zur Eizelle gelangen und/oder die Eizelle kann ihren Weg nicht in die Gebärmutterhöhle finden.

Auch bei Männern gibt es verschieden Ursachen, die zu einer Fruchtbarkeitsstörung führen. Diese haben meist etwas mit der Spermienbildung oder der Beweglichkeit der Spermien zu tun, also mit der Spermienqualität. Auch bei Männern können zum Beispiel hormonelle Ursachen, Fehlbildungen, Entzündungen oder Blockaden der Samenwege eine Rolle spielen.

Assistierte Reproduktion

Bei der assistierten Reproduktion wird das Zusammenkommen von Samen- und Eizelle im weiblichen Körper unterstützt. Mit einem dünnen Schlauch werden die Samenzellen direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Die Spermien müssen den Gebärmutterhals also nicht selber überwinden und sind schneller bei der Eizelle. Die Verschmelzung findet im weiblichen Körper statt und unterscheidet sich damit entscheidend von der künstlichen Befruchtung.

Künstliche Befruchtung lesbischer Paare

Wenn ihr lesbisch seid und euch ein Baby wünscht, heißt das nicht, dass euer Traum nicht in Erfüllung gehen kann. Denn auch lesbische Paare werden durch die Kinderwunschklinik unterstützt. Durch die Behandlung kann eine der Partnerinnen biologische Mutter werden. Allerdings werden die Kosten für diese Behandlung nicht von der Krankenkasse übernommen.

Künstliche Befruchtung nach Krankheit

Es gibt Krankheiten, die die menschlichen Zellen schädigen können. Wie zum Beispiel eine Chemotherapie. Damit du auch nach solch einer Behandlung schwanger werden kannst, kannst du deine Eizellen oder die Samenzellen deines Partners einfrieren lassen.

Die sogenannte Kryokonservierung bietet die Möglichkeit, dass ihr auch nach der Krankheit noch Eltern werden könnt. Die eingefrorenen Keimzellen werden dann aufgetaut und für eine künstliche Befruchtung verwendet. In Deutschland werden seit dem 01. Juli 2021 die Maßnahmen zur Fertilitätsprotektion von jungen Patientinnen von den Krankenkassen übernommen.

Künstliche Befruchtung: Methoden

Bei der künstlichen Befruchtung bestehen zwei Methoden. Die In – vitro – Fertilisation (IVF) und Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Neben der IVF und der ICSI gibt es auch noch die intrauterine Insemination (IUI), bei der den Spermien der Weg in die Gebärmutter erleichtert wird.

Welche Methode für dich die richtige ist, hängt von den Ursachen der Fruchtbarkeitsstörung ab und wird im Arztgespräch mit dir festgelegt.

IUI: intrauterine Insemination

Eine IUI kommt für Paare in Frage, bei denen kein bestimmter Grund für eine Fruchtbarkeitsstörung gefunden wurde und schwerwiegende Gründe durch ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden konnten.

Auch Paaren, bei denen die Ursache in verändertem Zervixschleim vermutet wird oder bei denen die Spermien des Mannes eine nur leicht geringere Beweglichkeit aufzeigen, wird eventuell zunächst eine IUI empfohlen.

IVF: In – vitro – Fertilisation

Wenn die Insemination erfolglos war, wird im nächsten Schritt die IVF angewandt. Auch bei anatomischen Hindernissen, wie zum Beispiel verwachsenen Eileitern, Schädigung der Keimzellen durch bestimmte Krankheiten oder bestimmte Formen der Endometriose wird oft die IVF gewählt.

ICSI: Intracytoplasmatische Spermieninjektion

Die ICSI wird insbesondere bei Paaren angewandt, bei denen die Spermienqualität des Mannes stark eingeschränkt ist oder wenn zum Beispiel bei beiden Partnern eine deutliche Fruchtbarkeitsstörung vorliegt.

Künstliche Befruchtung: Kosten

Die gesetzliche Krankenversicherung erstattet heterosexuellen verheirateten Paaren unter bestimmten Bedingungen mindestens 50 % der Behandlungskosten einer künstlichen Befruchtung.

Das heißt, dass du und dein Partner einen Eigenanteil der Behandlungskosten bezahlen müsst. Diese Kosten können sich schnell auf mehrere Tausende summieren. Vor allen Dingen, wenn du mehrere Anläufe benötigst, um schwanger zu werden. Zusätzliche Kosten können für eine TESE/MESA oder die Medikamente entstehen.

Der Arzt der Kinderwunschklinik wird vor der Behandlung einen Behandlungsplan mit euch erstellen. Diesen solltest du deiner Krankenkasse vor Beginn der Behandlung vorlegen und erfragen, welcher Kostenanteil übernommen wird. Auf Selbstzahler wie etwa homosexuelle Paare können für eine künstliche Befruchtung Kosten von 5.000 bis 10.000 € zukommen.

Eine künstliche Befruchtung kann, muss aber nicht Erfolg haben. Für deine Partnerschaft kann die künstliche Befruchtung psychisch sehr belastend sein, vor allem, wenn mehrere Versuche oder Methoden durchlaufen werden müssen, um eine anhaltende Schwangerschaft zu erreichen und Sex immer „pünktlich“ erfolgen muss.

Dennoch bietet die künstliche Befruchtung eine gute und Erfolg versprechende Möglichkeit, euren Traum vom Wunschkind in Erfüllung gehen zu lassen. Für den Fall, dass ihr auch nach mehreren Versuchen noch ohne Bauchzwerg seid, könnten womöglich Adoption und Pflegeelternschaft für euch Alternativen sein, um doch noch ein Baby zu bekommen.