IVF: Ein lesbisches Paar kuschelt auf dem Sofa und freut sich auf ihr Baby.

Die künstliche Befruchtung durch eine IVF ist längst kein Nischenthema mehr. Etwa 1 % aller Neugeborenen in Deutschland entstehen mithilfe einer IVF. In diesem Artikel erfährst du: Aus welchen Gründen sie eingesetzt wird, wie ein Behandlungszyklus abläuft und welche Kosten auf dich zukommen?

Was bedeutet IVF?

Die Abkürzung IVF steht für In-vitro-Fertilisation. Der Begriff in vitro bedeutet „im Glas“. Der Name bezieht sich darauf, dass die Befruchtung der Eizelle außerhalb des Körpers in einem Reagenzglas beziehungsweise in einer Petrischale stattfindet.

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Gründe für eine IVF

Es gibt verschiedene Gründe, eine IVF durchzuführen. Dazu gehören:

  • Probleme mit dem Eileiter der Frau, beispielsweise aufgrund einer Endometriose
  • Geringe Qualität der Samenzellen des Mannes
  • Trotz regelmäßigem Sex wird die Frau innerhalb eines Jahres nicht schwanger
  • Fortgeschrittenes Alter der Frau, sodass eine natürliche Empfängnis unwahrscheinlich ist
  • Kinderwunsch bei einem lesbischen Paar oder einer alleinstehenden Frau

Ablauf einer IVF

Da für die IVF in der Regel mehrere befruchtungsfähige Eizellen benötigt werden, wird vor der künstlichen Befruchtung meist eine Hormonbehandlung durchgeführt. Denn in einem natürlichen Zyklus reift normalerweise nur eine Eizelle heran. Durch die Hormonbehandlung werden die Eierstöcke stimuliert, sodass sie mehrere Eizellen bilden.

Nachdem diese gereift sind, wird der Eisprung medizinisch durch das Hormon hCG herbeigeführt und die Eizellen werden in einer kleinen Operation entnommen. Diese Operation nennt man Follikelpunktion. Dabei werden die Eizellen mit einer Hohlnadel durch die Vagina abgesaugt.

Der Partner gibt seine Spermien etwa zeitgleich mit einer Samenspende ab. Anschließend werden sie aufbereitet und mit den Eizellen in einer Petrischale zusammengeführt. Die Befruchtung soll dann von selbst erfolgen. Etwa 2 bis 3 Tage später werden eine oder mehrere befruchtete Eizellen beim sogenannten Embryotransfer mit einem Katheter in die Gebärmutter eingesetzt.

Überblick über einen IVF-Behandlungszyklus

Der zeitliche Ablauf ist nicht in allen Kinderwunschkliniken genau gleich. Grundsätzlich kannst du dich aber auf diese Schritte einstellen:

  • Beratungsgespräch und Klärung der Kostenübernahme
  • 1. Ultraschall kurz vor oder kurz nach Einsetzen der Periode
  • Beginn der Hormontherapie am 2. oder 3. Zyklustag
  • 10 bis 14 Tage Hormontherapie mit Spritzen, in der Zeit zwei bis drei Kontrolluntersuchungen
  • Auslösung des Eisprungs
  • Etwa 1,5 Tage später Follikelpunktion und Abgabe der Samenspende
  • Befruchtung im Reagenzglas
  • Embryotransfer nach 2 bis 3 Tagen

Du siehst also, dass der Vorgang insgesamt sehr aufwendig ist. Du musst innerhalb des Behandlungszyklus mehrfach in die Kinderwunschklinik gehen. Zudem musst du dich genau mit dem Behandlungsplan auseinandersetzen und bereit sein, dir an mehreren Tagen am Stück Hormone zu spritzen und Medikamente zu nehmen.

Erfolgswahrscheinlichkeit der IVF

Die Wahrscheinlichkeit, nach einer IVF ein gesundes Baby zur Welt zu bringen, liegt im Durchschnitt bei 25 bis 30 %. Allerdings sinkt sie mit jedem erfolglosen Versuch. Und auch dein Alter spielt eine wichtige Rolle. Je älter du bist, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit mithilfe der IVF schwanger zu werden.

Wie viele befruchtete Eizellen werden eingesetzt?

Bei der Eizellentnahme werden ungefähr 5 bis 18 Eizellen gewonnen. Die Anzahl hängt von der Hormonbehandlung sowie dem Alter und individuellen Eigenschaften der Patientin ab. Nach der Befruchtung dürfen bei der IVF maximal 3 Eizellen eingesetzt werden. In der Regel werden aber nur eine oder zwei verwendet. Denn bei der IVF kann es zu Mehrlingsschwangerschaften kommen. Eine Mehrlingsschwangerschaft bedeutet immer ein erhöhtes Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt. Wie viele befruchtete Eizellen eingesetzt werden, entscheidest du gemeinsam mit deinem Arzt.

Mehrlingsschwangerschaft nach der IVF

Wenn mehrere Eizellen eingesetzt werden, steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften. Bei zwei befruchteten Eizellen liegt die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, bei ungefähr 24 %. Wenn nur eine eingesetzt wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft nicht höher als nach einer natürlichen Empfängnis.

Kosten der IVF und Kostenübernahme

Bei der IVF entstehen sowohl Kosten für die Behandlung in der Kinderwunschklinik als auch für die Medikamente, die du nehmen musst. Ein Behandlungszyklus kostet ungefähr 4000 Euro.
Leider werden nicht alle Kosten für die IVF von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es wird maximal die Hälfte für drei Behandlungszyklen bezahlt. Dafür müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Du bist mit deinem Partner verheiratet.
  • Es wird deine Eizelle und der Samen deines Partners verwendet.
  • Du musst zwischen 25 und 39 Jahren alt sein und dein Partner zwischen 25 und 49 Jahren.
  • Deine Ärzte gehen davon aus, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit hinreichend hoch ist.

Die Übernahme der Kosten muss vorab bei der Krankenkasse beantragt werden. Der Antrag wird normalerweise zusammen mit der Kinderwunschklinik gestellt. Außerdem musst du dich vorher noch zusätzlich von einem unbeteiligten Arzt beraten lassen. So soll ausgeschlossen werden, dass der beratende Arzt selbst ein finanzielles Interesse hat und dich nicht neutral aufklärt. Du kannst dafür beispielsweise zu deiner Gynäkologin gehen.

Risiken der IVF

Viele Paare mit Kinderwunsch machen sich Sorgen, dass ein Baby, das durch eine IVF entstanden ist, eine höhere Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen hat. Tatsächlich verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit von 2 bis 3 % bei einer natürlichen Befruchtung auf 4 bis 6 %.
Wahrscheinlich ist nicht die Behandlung der Grund, sondern Probleme bei den Eltern, die auch zu der Unfruchtbarkeit geführt haben.

Ein bedeutendes Risiko für die Frau ist die hormonelle Überstimulation durch die Hormonbehandlung. Dieses Phänomen wird ovarielles Hyperstimulationssyndrom, kurz OHSS, genannt und muss im Krankenhaus behandelt werden. Dabei wachsen zu viele Eibläschen und es sammelt sich Flüssigkeit im Bauchraum an. OHSS tritt in mildem und mittlerem Ausmaß bei 1–10 % der behandelten Frauen auf. Das möglicherweise lebensbedrohliche schwere Überstimulationssyndrom ist mit 0,2 % zum Glück sehr selten.

IVF ohne Hormonbehandlung

Manchmal ist eine Hormonbehandlung aus medizinischen Gründen ausgeschlossen oder die Frau lehnt sie beispielsweise aufgrund der Risiken ab. In diesen Fällen kann die Eizellentnahme auch ohne eine vorangegangene Hormontherapie durchgeführt werden. Dann wird die Eizelle entnommen, die im natürlichen Zyklus gereift ist. Dadurch verringert sich allerdings die Erfolgswahrscheinlichkeit. Das liegt daran, dass in manchen Zyklen keine befruchtungsfähige Eizelle gebildet wird und dass auch sonst nur mit einer Eizelle weitergearbeitet werden kann.