Mama kuschelt mit ihrem Neugeborenen, das mit Hilfe der Saugglocke geboren wurden.

Wenn die Geburt ins Stocken gerät, kann es sein, dass dein Baby Hilfe braucht, um durch den Geburtskanal zu kommen. Ärzte entscheiden sich dann oft dazu, dein Baby mit der Saugglocke zu unterstützen. Aber wann wird eine vaginal-operative Entbindung durchgeführt und was sind die Risiken?

Was ist eine Saugglocke?

Über die Geburt mit der Saugglocke wird vor der Entbindung oft nicht ausreichend aufgeklärt. Auch die brutal wirkende Art und Weise, wie der Gynäkologe dein Baby aus dem Geburtskanal zieht, trägt eher zu einem negativen Image der Saugglockengeburt bei. Dabei hat die Saugglocke eine über 100-jährige Tradition.

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Die Saugglocke ist eine der beiden Möglichkeiten zur vaginal-operativen Entbindung. Diese Methode nennt man auch Vakuumextraktion. Vielleicht stellst du dir die Saugglocke wie einen Pömpel vor. Sie sieht auch so ähnlich aus und funktioniert nach demselben Prinzip. Eine moderne Saugglocke besteht aus mehreren Teilen: der Vakuumpumpe, einem Schlauchsystem und natürlich der Saugglocke selbst.

Gut zu wissen: Auch wenn du dir die Geburt mit Hilfe der Saugglocke vorab nicht vorstellen konntest: Im Ernstfall kann dieser Eingriff Leben retten.

Die Geburt mit Hilfe der Saugglocke

Wenn dein Baby mit Hilfe der Saugglocke zur Welt kommt, ist das sicher nicht die Geburt, die du dir gewünscht oder vorgestellt hast. Manchmal ist sie allerdings notwendig, wenn die Geburt schon lange dauert und dein Baby nicht mehr weiter kommt. Wenn dein Baby dann schon tief im Becken liegt, kommt der Kaiserschnitt leider nicht mehr in Frage. Denn die Ärzte können dein Baby dann nur schwer erreichen.

Deshalb wird in diesem Fall die Saugglockengeburt bevorzugt. Die Geburtszange wird in Deutschland hingegen nur noch selten bei Geburten eingesetzt. Du musst dir aber keine Sorgen machen, die Saugglocke wird nur angewandt, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist.

Tatsächlich werden nur bei wenigen Geburten die Saugglocke eingesetzt. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland nur 5,9 % der Babys mit Hilfe der Saugglocke geboren. Mit Hilfe der Geburtszange wurden sogar nur 0,3 % der Babys entbunden. Die Geburtszange wird heutzutage also kaum noch eingesetzt.

Wie funktioniert die Saugglocke?

Um dein Baby mit der Saugglocke zur Welt zu holen, legt der zuständige Gynäkologe die Saugglocke am Kopf deines Babys an. Dann wird mit Hilfe eines Vakuumgeräts ein Unterdruck am Kopf deines Schatzes erzeugt. Dadurch sitz die Saugglocke am Kopf deines Babys fest. Keine Angst, für dein Baby ist das nicht schmerzhaft. Der Arzt wird dich und dein Baby dann während der nächsten Wehen unterstützen, bis der Kopf geboren wurde.

Während der Arzt dein Baby aus dem Geburtskanal zieht, übt eine Hebamme zusätzlich von oben Druck auf deinen Bauch aus. Dafür nutzt sie den so genannten Kristeller-Handgriff. Dazu drückt die Hebamme mit beiden Händen auf den Fundus, die obere Kante der Gebärmutter. Dieser Druck kann helfen, damit dein Baby leichter durch den Geburtskanal kommt.

Wenn der Kopf deines Babys geboren wurde, wird die Saugglocke gelöst. Die Saugglockengeburt klingt vielleicht etwas brutal, kann aber im Ernstfall Leben retten.

Was passiert während einer Saugglockengeburt?

Bevor eine Saugglockengeburt stattfindet, muss ein Arzt dich und deinen Partner über die Notwendigkeit und den Ablauf aufklären. Dabei ist es egal, ob die Entbindung mit Hilfe der Saugglocke oder der Geburtszange stattfinden soll. Danach wird das Krankenhaus alles für die Entbindung vorbereiten, während die Hebamme dir erklärt, wie du eine geeignete Geburtsposition einnimmst. In der Regel liegst du bei einer Geburt mit der Saugglocke auf dem Rücken und deine Beine liegen auf Beinhaltern.

Bevor der Gynäkologe mit dem Eingriff beginnt, wird dir in der Regel ein Katheter gelegt. Dadurch wird die Blase entleert. So hat dein Baby schlussendlich mehr Platz im Becken. Außerdem wird der Beckenboden örtlich betäubt, wenn du noch keine PDA gelegt bekommen hast.

Während der Saugglockengeburt presst du aktiv mit, während der Gynäkologe dein Baby aus dem Geburtskanal zieht. Die Saugglocke soll dir die Arbeit also nicht abnehmen, sondern dich unterstützen.

Wann wird die Saugglocke bei der Geburt eingesetzt?

Die Geburt mit der Saugglocke wird nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt. In der Regel wird sie nur dann eingesetzt, wenn die Geburt schon sehr lange dauert und aus den folgenden Gründen schnell beendet werden soll:

  • Die Geburt dauert schon sehr lange und kommt zum Stillstand
  • Dein Baby liegt schon tief im Becken. Dadurch ist ein Kaiserschnitt nicht mehr möglich.
  • Du bist erschöpft oder bekommst Fieber, weil die Austreibungsphase sehr lange dauert
  • Du entwickelst eine schwere Präeklampsie
  • Dein Baby zeigt Stressreaktionen
  • Dein Baby wird nicht mit genügend Sauerstoff versorgt

Nur, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind, kann ein Baby bei der Reise durch den Geburtskanal mit einer Saugglocke unterstützt werden:

  • Der Muttermund muss komplett geöffnet sein
  • Die Fruchtblase ist geplatzt
  • Der Kopf deines Babys ist nicht zu groß und liegt weit unten im Geburtskanal
  • Dein Baby wird als Frühchen geboren
  • Dein Baby liegt nicht in einer Beckenendlage
  • Die Harnblase ist leer

Risiken einer Geburt mit der Saugglocke

Eine Saugglockengeburt ist weder für dich, noch für dein Baby angenehm. Sie wird deshalb nur durchgeführt, wenn sie medizinisch notwendig ist. Wie bei jedem Eingriff, gibt es einige Risiken:

Risiken einer Saugglockengeburt für dich

  • Frauen, die eine Saugglockengeburt hatten, haben ein höheres Risiko auf Geburtsverletzungen, wie zum Beispiel einen schweren Dammriss.
  • Die Saugglockengeburt wird unter anderem auf Grund von mangelnder oder fehlender Kommunikation oft als traumatisch erlebt.
  • Es entsteht ein höheres Infektionsrisiko.

Risiken einer Saugglockengeburt für dein Baby

  • Oft entwickelt sich am Kopf des Babys eine etwa faustgroße Schwellung. Diese Schwellung ist normal und verschwindet einigen Stunden nach der Geburt wieder von selbst. Bei der U1 wird der Kopf deines Babys dann gereinigt und sorgfältig untersucht.
  • Die Kopfhaut deines Babys kann verletzt werden. Kleinere Schürfwunden werden direkt bei der U1 mit Wundheilsalbe behandelt.
  • Es können Hirnblutungen entstehen, wenn die Saugglocke zum Beispiel wegen zu geringem Druck abrutscht. Hirnblutungen kommen sind zum Glück jedoch ziemlich selten.