Ein Neugeborenes liegt auf der Brust der Mama.

Endlich geschafft! Du hältst dein Neugeborenes in den Armen und bewunderst dieses kleine Wesen auf deiner Brust. Die erste Stunde nach der Geburt gehört euch. Gleichzeitig passiert aber auch einiges in deinem Körper und dem deines Babys. Was genau, haben wir für dich zusammengefasst.

Expertin: Hebamme Nadine Wiedmann
Geschrieben durch Redaktion 24schwanger.de
Medizinisch überprüft durch Nadine Wiedmann | Hebamme
Letztes Update 18 Juli 2022

Warum ist die erste Stunde so wichtig?

Sobald dein Baby geboren wurde, wird es dir auf die Brust gelegt. Dort bleibt dein kleiner Schatz während der ersten Stunden nach der Geburt. Denn der Haut-auf-Haut Kontakt ist besonders in der ersten Stunde enorm wichtig für das Bonding.

Deshalb gehören die ersten Stunden nach der Geburt dir, deinem Baby und deinem Partner. Ihr könnte euch ausgiebig kennenlernen und den neuen Erdenbürger bewundern. Du hältst dein Baby warm und hilfst ihm zu entspannen. Aber noch viel wichtiger, ihr formt die Basis eurer Mutter-Kind Beziehung.

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Komplikationen nach der Geburt

Sollten während der Geburt Komplikationen auftreten, kann es sein, dass du dein Baby nicht direkt nach der Geburt in den Armen halten kannst. Aber keine Bange, das könnt ihr später ausgiebig nachholen. Um die erste Stunde dennoch auszunutzen, bekommt dein Partner euer Baby auf die Brust gelegt. So bekommt dein Baby die Nähe, die es braucht.

Auch, wenn dein Baby per Kaiserschnitt zur Welt kommt, wird dir dein Schatz meistens direkt auf die Brust gelegt. Dort kann sich dein Baby erst einmal beruhigen, während deine Wunden versorgt werden.

Dein Neugeborenes nach der Geburt

Damit dein Neugeborenes außerhalb der sicheren Gebärmutter überleben kann, finden in den ersten Stunden nach der Geburt im Körper deines Babys spannende Entwicklungen statt. Denn sobald dein Baby geboren wurde, muss es sich an die Außenwelt anpassen.

Die Lungen deines Neugeborenen

Während der Schwangerschaft wird dein Baby durch die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Es muss sich um die Sauerstoffversorgung bis zur Geburt also nicht selbst kümmern. Das ist wichtig, denn die Lunge ist erst ab der 35. SSW entwickelt genug, damit dein Baby nach der Geburt selbstständig atmen kann. Sollte dein Baby als Frühchen zur Welt kommen, wird die Lungenreife mithilfe eines Medikaments beschleunigt.

Bis zur Geburt sind die Lungen deines Babys mit Flüssigkeit gefüllt und haben sich noch nicht entfaltet. Die Flüssigkeit wird während der Austreibungsphase aus den Lungen gepresst. Mit den ersten Atemzügen deines Babys entfaltet sich die Lunge. Außerdem hilft der erste laute Schrei, die restliche Flüssigkeit aus den Lungenflügen zu pressen. Von nun an atmet dein Baby selbstständig.

Wusstest du, dass...?

Die Lunge deines Babys ist erst mit 8 Jahren voll ausgereift.

Der Blutkreislauf nach der Geburt

Der Blutkreislauf eines Fötus unterscheidet sich von dem deines Neugeborenen. Denn bis zur Geburt wird der Sauerstoffaustausch über die Plazenta geregelt. Da diese nach der Geburt wegfällt, muss sich der Kreislauf deines Babys neu organisieren.

Vor der Geburt ist dein Baby über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Durch die Nabelschnur empfängt es unter anderem Sauerstoff, der in den Blutkreislauf deines Babys gelangt. Um diesen Austausch möglich zu machen, gibt es verschiedene Verbindungen, zwischen den Nabelschnurarterien und dem Blutkreislauf deines Babys.

Dazu gehört zum Beispiel eine Verbindung zu den Lungenarterien. Außerdem gibt es im Herzen deines Babys eine kleine „Tür“, durch die das Blut vom rechten in den linken Vorhof des Herzens strömen kann. Durch diese kleinen Tricks der Natur, wird dein Baby in der Schwangerschaft ausreichend mit Blut versorgt.

Sobald dein Baby geboren wird, muss es einen eigenen Blutkreislauf aufbauen. Und auch dafür hat die Natur eine Lösung parat. Sobald sich die Lungen deines Neugeborenen entfalten, verändert sich der Druck im Blutkreislauf deines Babys. Dadurch werden die oben genannten Verbindungen geschlossen und dein Baby hat einen eigenen Blutkreislauf. Bis diese Verbindungen jedoch vollständig verschlossen sind, dauert es noch eine Weile.

Neugeborenes Baby entspannt sich nach der Geburt auf der Brust der Mama.

Die Muskelspannung nach der Geburt

Sicher kannst du fühlen, wie angespannt dein Babys ist, wenn es auf deiner Brust liegt. Das ist normal und kommt durch den Stress während der Geburt. Durch den Haut-auf-Haut-Kontakt, hilfst du deinem Baby nach der Geburt zu entspannen.

Die Sinne deines Neugeborenen

Wenn dein Baby zur Welt kommt, wird es überflutet von neuen Eindrücken. Denn in deinem Babybauch hat es Geräusche und Licht nur gedämpft wahrgenommen. Kein Wunder also, dass das helle Licht und die lauten Geräusche dein Baby erst einmal aus der Bahn werfen.

Das Gehör deines Babys ist direkt nach der Geburt voll entwickelt und laute Geräusche können deinen Schatz erschrecken. Auch der Geruchssinn deines Babys ist ausgebildet. So kann es deinen Geruch sofort erkennen und fühlt sich wohl.

Nur die Augen deines Babys müssen sich noch weiter entwickeln. Bis es so scharf sehen kann wie du, wird noch einige Zeit vergehen. Denn nach der Geburt sieht dein Baby gerade mal 25 Zentimeter weit. Gerade genug, um dich zu erkennen und anzustrahlen, wenn es auf deiner Brust liegt.

Die Körpertemperatur deines Neugeborenen

In der Gebärmutter hatte es dein Neugeborenes kuschelig warm und musste sich um das Halten der eigenen Körpertemperatur nicht kümmern. Dieser Luxus ist nach der Geburt schlagartig vorbei. Nach der Geburt ist die Kälte der Außenwelt erst einmal ein Schock für deinen kleinen Schatz. Auf diesen Temperaturunterschied reagieren die meisten Babys mit einem lauten Schrei.

Ist dein Baby erst einmal auf der Welt, kühlt es schnell ab. Denn es verliert mehr Kälte, als es selbst produzieren kann. Damit dein Baby nicht auskühlt, wird es direkt nach der Geburt abgetrocknet, in Tücher gewickelt und bekommt eine Babymütze auf. Außerdem trägt deine Körperwärme beim Haut-auf-Haut-Kontakt dazu bei, dass dein Schatz schön warm bleibt.

Du in der ersten Stunde nach der Geburt

Auch in deinem Körper finden nach der Geburt einige Prozesse statt. Denn dein Körper passt sich direkt an die Situation ohne Baby im Bauch an.

Deine Gebärmutter

Während der Geburt produziert dein Körper das Hormon Oxytocin. Das Hormon fördert Wehen, indem es deine Gebärmutter dazu bringt sich zusammenzuziehen. Aber auch nach der Geburt spielt es eine wichtige Rolle. Denn das Hormon sorgt unter anderem für Nachwehen.

Die Nachwehen sind dafür verantwortlich, dass der Blutverlust nach der Geburt gestoppt wird. Denn mit jeder Nachwehe werden mehr und mehr Blutgefäße an der Gebärmutterwand verschlossen. Außerdem bringen die Nachwehen deine Gebärmutter in ihre normale Position zurück.

In der ersten Stunde nach der Geburt kontrolliert deine Hebamme ein paar Mal die Lage deiner Gebärmutter. Wenn alles klappt, kann sie deine Gebärmutter auf der Höhe deines Bauchnabels ertasten. Wie lange die Nachwehen dauern, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Es ist allerdings nicht ungewöhnlich, dass du bis zu 48 Stunden nach der Geburt noch Nachwehen spürst.

Wusstest du, dass...?

Nachwehen sind beim zweiten Kind oft stärker

Das liegt daran, dass deine Gebärmutter schon einiges mitgemacht hat und deshalb stärker arbeiten muss, um sich zurückzubilden.

Die Nachgeburt

Die Nachwehen sorgen auch dafür, dass die Plazenta sich von der Gebärmutterwand löst und geboren wird. Das passiert meistens innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt.

Bevor die Plazenta geboren wird, kontrolliert deine Hebamme die Lage. Dann hält sie die Nabelschnur fest und wird dich bitten zu pressen. In der Regel wird die Plazenta dann schnell und problemlos geboren. Das fühlt sich für dich wahrscheinlich wie eine leichte Wehe an. Wird die Plazenta nicht auf diese Weise geboren, muss sie operativ gelöst werden.

Wundversorgung nach der Geburt

Hattest du während der Geburt einen Dammriss? Oder hat dein Arzt einen Dammschnitt durchgeführt, um den Geburtskanal zu vergrößern? Dann wird diese Wunde in der ersten Stunde nach der Geburt von deiner Hebamme versorgt und genäht. Ist der Damm nur leicht gerissen, kann deine Hebamme die Wunde direkt an Ort und Stelle nähen. Bei einem schweren Dammriss wird die Wunde meistens in einer Operation versorgt. Das ist zum Glück nur bei etwa 2 % der Frauen der Fall.

Auch ein entstandener Scheidenriss wird nach der Geburt versorgt. Oft tritt ein Scheidenriss bei einer vaginalen Geburt auf, zum Beispiel, wenn du zu stark presst oder dein Baby mit einer Saugglocke entbunden wird. Aber auch ein zu großer Kopf deines Babys kann einen Scheidenriss begünstigen. Wie schmerzhaft sich ein Scheidenriss anfühlt, ist ganz unterschiedlich. In jedem Fall wird die Wunde chirurgisch versorgt. Das heißt, dass du lokal betäubt wirst, bevor der Frauenarzt mit dem Nähen beginnt. In besonders schweren Fällen wird die Wunde unter Vollnarkose versorgt.

Das erste Mal stillen

Sobald dein Baby etwas zur Ruhe kommt, wird es anfangen nach deiner Brustwarze zu suchen. Dieser angeborene Such- und Saugreflex funktioniert automatisch. Hat dein Baby deine Brustwarze gefunden, wird es anfangen an deiner Brust saugen. Durch dieses Saugen wird Oxytocin ausgeschüttet. Dadurch wird der sogenannte Milchspendereflex ausgelöst und die Milch beginnt in Richtung der Brustwarze zu fließen.

So bekommt dein Baby direkt nach der Geburt die sogenannte Vormilch, das Kolostrum. Diese erste Form der Muttermilch wird schon vor der Geburt in den Milchdrüsen gebildet. Sie versorgt dein Baby mit allem, was es für einen erfolgreichen Start ins Leben braucht.

Ich möchte nach der Geburt nicht stillen

Willst du dein Baby lieber nicht stillen? Auch das ist in Ordnung. Besprich deine Wünsche am besten schon vor der Geburt mit deiner Hebamme oder der Geburtsklinik. Sie werden dich beraten und mit dir zusammen überlegen, wie deine Wünsche umgesetzt werden können. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel dein Baby einmalig anlegen und danach mithilfe einer Tablette den Milcheinschuss verhindern. Eine andere Möglichkeit ist es, dass du dein Baby ein paar Wochen stillst und dann zeitnah abstillst. Wenn du dich damit jedoch gar nicht wohlfühlst, ist das auch in Ordnung. Dann bekommt dein Baby direkt nach der Geburt das erste Fläschchen und du bekommst eine Tablette, die den Milcheinschuss verhindert.

Was passiert noch nach der Geburt?

Während du mit deinem Neugeborenen kuschelst, lassen dir deine Hebamme und der Gynäkologe so viel Ruhe wie möglich. Nichtsdestotrotz gibt es einige Routineuntersuchungen, die durchgeführt werden müssen.

Apgar-Score

Mithilfe des Apgar-Scores wird der Zustand deines Neugeborenen nach der Geburt beurteilt. Dafür werden nach einer, fünf und zehn Minuten verschiedene Tests durchgeführt. Dabei wird zum Beispiel die Atmung, der Herzschlag, die Muskelspannung, die Farbe und die Reaktion deines Babys auf Reize kontrolliert.

Ein frischgebackener Papa schneidet die Nabelschnur durch.

Die Nabelschnur durchschneiden

Die Nabelschnur verliert nach der Geburt ihre Aufgabe, da dein Baby einen eigenen Blutkreislauf entwickelt. Deshalb klemmt deine Hebamme die Nabelschnur ab, sobald sie den Puls deines Babys darin nicht mehr fühlt. Dann kommt die große Stunde deines Partners. Denn meistens bekommt dein Partner die Wahl, ob er die Nabelschnur selbst durchschneiden möchte oder diese Aufgabe lieber der Hebamme überlässt.

Dein Baby an deiner Seite

In der ersten Stunde nach der Geburt muss dein Baby viele neue Eindrücke verarbeiten. Das kann ziemlich anstrengend und angsteinflößend sein. Deshalb ist dein Baby nach der Geburt am liebsten bei dir und deinem Partner. Besonders auf deiner Brust fühlt sich dein Baby pudelwohl. Denn deinen Herzschlag und deine Atmung kennt es.