Eine Frau gießt sich ein Glas Wasser ein und wartet auf den Blasensprung.

Wahrscheinlich kennst du die Szene aus Filmen oder Serien, in der bei einer hochschwangeren Frau die Fruchtblase geplatzt ist und sie innerhalb weniger Minuten glücklich ihr Baby in den Händen hält. Der Blasensprung ist tatsächlich eines der ersten Anzeichen einer Geburt. Allerdings dauert es im wahren Leben etwas länger, bis du dein Baby in den Armen halten kannst.

Expertin: Hebamme Nadine Wiedmann
Geschrieben durch Redaktion 24schwanger.de
Medizinisch überprüft durch Nadine Wiedmann | Hebamme
Letztes Update 26 Juni 2022

Aufgabe der Fruchtblase

Die Fruchtblase umgibt dein Baby wie ein Ballon, der während der gesamten Schwangerschaft mitwächst und mit Fruchtwasser gefüllt ist. Dieser Fruchtwasserballon spielt eine wichtige Rolle, denn er schützt dein Baby vor Keimen, zu viel Lärm und Stößen. Zudem kann dein Baby wie ein kleiner Astronaut beinahe schwerelos im Fruchtwasser schweben. Es ist also ein wahrer Wohlfühlort für dein Baby, um in aller Ruhe wachsen zu können.

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Zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins enthält deine Fruchtblase etwa 1.5 Liter Fruchtwasser. Also eine ziemlich große Menge, die im Falle eines Blasensprungs aus dir herauslaufen kann. Meistens geschieht der Blasensprung während der Geburt, aber er kann auch zu anderen Zeiten deiner Schwangerschaft passieren.

Wusstest du, dass...?

In der 36. SSW enthält die Fruchtblase am meisten Fruchtwasser

Danach nimmt die Fruchtwassermenge stetig ab. Bei der Geburt umgeben dein Baby nur noch etwa 800 bis 1000 Milliliter Fruchtwasser.

Wie sieht Fruchtwasser aus?

Wenn deine Fruchtblase zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins platzt, ist das Fruchtwasser, dass du verlierst meist klar oder leicht milchig. Zudem kann es entweder einen leicht süßlichen oder gar keinen Geruch haben. Damit dein Baby geschützt ist und nicht im Trockenen liegt, produziert dein Körper bis zur tatsächlichen Entbindung regelmäßig Fruchtwasser nach.

Blasensprung erkennen

Manchmal ist es schwierig die Anzeichen für einen Blasensprung richtig zu deuten. Falls du dir unsicher bist, ob deine Fruchtblase geplatzt ist, gibt es einige Tipps, mit denen du erkennen kannst, ob es sich bei der Flüssigkeit um Fruchtwasser oder Urin handelt.

  • Lackmuspapier oder pH-Teststreifen: In der Apotheke kannst du dir rotes Lackmuspapier oder pH-Teststreifen besorgen oder deine Hebamme um ein paar Streifen bitten. Das Lackmuspapier verfärbt sich blau, wenn es in Kontakt mit Fruchtwasser kommt. Du kannst die Streifen auch für ein paar Stunden in eine Binde legen. Falls die Streifen eindeutig blau sind, solltest du deine Hebamme informieren oder direkt in die Klinik gehen. Bei pH-Streifen sollte das Messergebnis bei einem Wert über 7.0 liegen.
  • Binde: Du kannst auch eine übliche Damenbinde für starke Regelblutungen in deinen Schlüpfer legen und nach zwei Stunden nachsehen, ob diese durchtränkt ist. Zudem kannst du die Farbe der Flüssigkeit gut überprüfen. Eine gelbliche Verfärbung spricht für Urin. Wenn die Flüssigkeit klar ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Fruchtwasser. Riecht die Binde neutral oder leicht süßlich? Das ist ebenfalls ein Zeichen für Fruchtwasser, denn Urin in dieser Menge hat einen intensiveren Geruch. Falls du dir trotzdem unsicher bist, kannst du natürlich auch deine Hebamme oder Frauenarzt kontaktieren.

Tipp

Notiere die Uhrzeit des Blasensprungs und die Farbe des Fruchtwassers

Wenn du einen Blasensprung hattest, solltest du ins Krankenhaus. Dort wird dich die Hebamme fragen, wann deine Fruchtblase geplatzt ist und wie das Fruchtwasser aussah.

Hoher Blasensprung

Manchmal kann es vorkommen, dass die Fruchtblase an einer Stelle leicht einreißt. Dann tritt nur eine sehr geringe Menge Fruchtwasser aus. Manchmal sogar nur Tröpfchen. Dies wird als hoher Blasensprung bezeichnet. Es ist schwierig diese Art von Blasensprung vom vaginalen Ausfluss oder ungewolltem Urinverlust zu unterscheiden. Nur anhand der Farbe und dem Geruch kannst du das Fruchtwasser oftmals vom Urin unterscheiden.

Vorzeitiger Blasensprung

Bei den meisten schwangeren Frauen reißt die Fruchtblase zum Zeitpunkt der Geburt. Jedoch kann deine Fruchtblase auch platzen, bevor deine Wehen eingesetzt haben. Das passiert bei 8-10 % der Schwangeren und wird als vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Manche Frauen hören dann sogar ein ploppendes Geräusch.

Welche Maßnahmen bei einem vorzeitigen Blasensprung durchgeführt werden müssen, hängt unter anderem von deiner Schwangerschaftsdauer, auch Gestationsalter genannt, ab. Falls der Geburtstermin deines Babys bald ansteht, werden wahrscheinlich in den nächsten 24 Stunden spontan die Wehen einsetzen. Wenn dies nicht geschehen sollte, muss die Geburt vermutlich nach 12-24 weiteren Stunden künstlich eingeleitet werden.

Teilweise kann auch noch etwas länger abgewartet werden. Das hängt davon ab, ob eine Infektionsgefahr für dein Baby besteht oder nicht. Das entscheiden die Geburtshelfer aufgrund deiner Laborwerte.

Blasensprung in SSW 24+0 bis 34+0

Wenn deine Fruchtblase bereits zwischen der 24. und 34. SSW platzt, wird versucht, die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern. Denn in dieser Zeit ist dein Baby noch nicht komplett entwickelt und ein paar weitere Wochen in deiner schützenden Gebärmutter wären ideal.

Wenn deine Fruchtblase geplatzt ist, wirst du stationär in der Klinik aufgenommen und dir wird Bettruhe verordnet. Außerdem kontrolliert eine Hebamme, ob sich eine Infektion ankündigt, gibt dir gegebenenfalls Antibiotika und überprüft die Lungenreife deines Babys. Und auch die Herztöne deines Babys und die Fruchtwassermenge werden regelmäßig kontrolliert.

Dein Körper produziert zwar weiterhin Fruchtwasser, aber in dieser Schwangerschaftsphase kann es durchaus sein, dass die Menge für dein Baby nicht ausreicht. Gegebenenfalls müssen auch Medikamente verabreicht werden, welche die Entwicklung deines Babys unterstützen.

In manchen Fällen lässt sich eine künstliche Einleitung jedoch nicht vermeiden. Das hängt von mehreren Faktoren, wie zum Beispiel dem Infektionsrisiko, dem Entwicklungsstand deines Babys und der übrigen Fruchtwassermenge ab. Deine Geburtshelfer werden mit dir besprechen, was das Beste für dein Baby und dich ist.

Blasensprung ab der 35. SSW

Sollte deine Fruchtblase ab der SSW 34+1 platzen, ist die Lunge deines Babys reif genug, sodass die Geburt nicht mehr länger rausgezögert werden muss. Bei vielen Frauen, die einen vorzeitigen Blasensprung haben, entwickeln sich innerhalb weniger Stunden von selbst Wehen. Das ist aber nicht immer der Fall. Wenn du keine Wehen bekommst, werden die Geburtshelfer regelmäßig kontrollieren, ob sich eine Infektion anbahnt, wie es deinem Baby geht und werden gegebenenfalls die Geburt einleiten.

Ein Blasensprung, der vor der vollendeten 38. SSW eintritt, wird als früher vorzeitiger Blasensprung (preterm premature rupture of membranes, kurz PPROM) bezeichnet.

Schwallartiger Blasensprung

Wenn der Kopf deines Babys bei der letzten vaginalen Untersuchung noch frei beweglich über deinem Becken liegt, also nicht fest im Becken ist, kann bei einem Blasensprung die Nabelschnur vor dem Kopf ins Becken rutschen. Das kann im schlimmsten Fall die Sauerstoffversorgung deines Babys unterbrechen.

In dem Fall solltest du dich direkt hinlegen. Dabei ist es wichtig, dass dein Po der höchste Punkt ist. Lege dazu zum Beispiel ein Kissen unter deinen Po. Dadurch kann dein Baby wieder aus dem Becken rutschen und die Nabelschnur kommt wieder frei. Wenn du eine Beleghebamme hast oder eine Hausgeburt planst, solltest du dich unbedingt bei ihr melden. Andernfalls solltest du direkt den Rettungswagen rufen, damit sie dich abholen und in den Kreißsaal bringen. Fahre auf keinen Fall auf eigene Faust ins Krankenhaus. Denn die Profis vom Rettungsdienst können im Notfall immer eingreifen.

Tipp

Halte gegen Ende deiner Schwangerschaft ein Telefon griffbereit

Natürlich ist es für eine Situation wie diese sinnvoll, immer jemanden in der Nähe zu haben. Falls das nicht möglich ist, ist es empfehlenswert zumindest das Telefon in Reichweite zu haben. Vielleicht kannst du auch einer Nachbarin oder Freundin einen Ersatzschlüssel für deine Haustür geben.

Blasensprung ohne Wehen?

Deine Fruchtblase ist geplatzt, aber du hast keine Wehen? Ein Blasensprung ohne Wehen kann manchmal vorkommen und bedeuten, dass deinem Baby bei der großen Reise etwas nachgeholfen werden muss. Eine künstliche Geburtseinleitung ist häufig die einzige Option, denn sie verhindert, dass dein Baby möglicherweise eine Infektion bekommt.

Normalerweise wird zwischen 12 und 18 Stunden nach dem Blasensprung abgewartet, ob die Wehen nicht von allein beginnen.

Falls du eine Hausgeburt geplant hast und die Wehen nach 24 Stunden immer noch nicht eingesetzt haben, ist eine Geburt im Krankenhaus empfehlenswert. Denn dort wird dein Blut alle sechs bis acht Stunden kontrolliert und eine Infektion kann frühzeitig festgestellt werden. Zudem wird regelmäßig deine Temperatur gemessen und bei Bedarf Antibiotika verabreicht. So kann sichergestellt werden, dass es deinem Baby und dir weiterhin gut geht.

Die richtige Hygiene nach einem Blasensprung

Die Fruchtblase schützt dein Baby vor gefährlichen Erregern oder Bakterien. Daher ist es bei einem Blasensprung wichtig, auf die richtige Hygiene zu achten.

  • Unternimm keine eigenständigen Untersuchungen an deiner Vagina.
  • Wenn du deine Wehen anregen möchtest, kannst du dich unter die Dusche stellen. Verzichte aber auf das Baden.
  • Stecke keine Tampons oder Watte in deine Vagina.