Baby Blues: Mama mit postpartaler Depression sitzt neben ihrem weinenden Baby.

Die Geburt deines Babys ist ein prägendes Ereignis. Die Zeit danach ist aber nicht immer wunderschön. Viele Mütter erleben Stimmungstiefs, und müssen sich an ihre neue Rolle erst gewöhnen. Hält ein Stimmungstief länger als zwei Wochen an, kann es sich um eine postpartale Depression handeln. Was das genau ist und wie du eine postpartale Depression (PPD) erkennen kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.

Der Baby Blues

Am Baby Blues leiden etwa 70 Prozent der Frauen nach der Geburt. Die Zeit nach der Geburt ist eine emotionale und sehr intensive Zeit. Du musst dich nicht nur an dein neues Leben mit Baby gewöhnen, sondern auch die Geburt körperlich und seelisch verarbeiten. Stimmungsschwankungen sind in den ersten Tagen nach der Geburt ganz normal. Ein Baby Blues entwickelt sich bei den meisten im Wochenbett, zwischen dem 3. und 5. Tag nach der Geburt. Der Baby Blues wird häufig auf die abrupte Hormonumstellung und die stark veränderte Lebenssituation nach der Geburt zurückgeführt und klingt von selbst nach einigen Tagen wieder ab.

Wenn du dich auch nach zwei Wochen nicht wieder erkennst und die negativen Gefühle bleiben, solltest du dringend mit deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt darüber sprechen. Denn dann kann es sein, dass du an einer postpartalen Depression leidest. Die postpartale Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit, die unbehandelt schwere Folgen haben kann. In dieser Übersicht findest du die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Baby Blues und einer postpartalen Depression.

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Tipp

Sei offen und ehrlich

Der Baby Blues und die postpartale Depression sind beides Formen der Wochenbettdepression. Traue dich deshalb darüber zu sprechen, wenn du über einen längeren Zeitraum negative Gefühle hast.

Postpartale Depression: Dauer und Häufigkeit

Etwa 10 bis 15 Prozent der Frauen entwickeln nach der Geburt eine postpartale Depression. Sie kann im gesamten ersten Jahr nach der Geburt auftreten und entwickelt sich schleichend in den ersten Monaten. Oft wird eine postpartale Depression zu spät oder gar nicht erkannt. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen aus Scham, Angst oder Schuldgefühlen die Symptome verheimlichen und überspielen. Dies kann schwere Folgen für die Mutter-Kind Bindung und die emotionale und kognitive Entwicklung des Babys haben. Die Krankheitsdauer beträgt im Schnitt sieben Monate. Je früher die postpartale Depression erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden.

Postpartale Depression: Symptome

Eine postpartale Depression zeichnet sich dadurch aus, dass eine Mutter eine negative Sicht auf sich selbst, die Welt und die Zukunft hat. Oft wird dieses Gefühl begleitet vom Gedanken eine schlechte Mutter zu sein und der Sorge dem Baby zu schaden.

Einige weitere Symptome der postpartalen Depression sind:

  • Freudlosigkeit und gedrückte Stimmung
  • Antriebslosigkeit und Interessenlosigkeit
  • Keine Entwicklung von positiven Gefühlen für das eigene Baby
  • Entwickeln von übermäßigen Ängsten und Sorgen um das Baby
  • Stillprobleme
  • Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen
  • Erschöpfung und Müdigkeit
  • Innere Unruhe und Reizbarkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Gefühle von Wertlosigkeit und Leere, Versagensängste
  • Schuldgefühle

Solltest du einige dieser Symptome wieder erkennen, wende dich bitte an deine betreuende Hebamme oder Frauenarzt. Sie können dich beraten und dir Ansprechpartner vermitteln.

Postpartale Depression: Risikofaktoren

Grundsätzlich gilt, eine postpartale Depression kann jeden treffen. Jedoch gibt es einige Risikofaktoren, die eine postpartale Depression begünstigen. Dazugehören zum Beispiel:

  • Eine traumatische Geburt
  • Eine komplizierte Schwangerschaft
  • Frühere psychische Erkrankungen
  • Fehlende Unterstützung des Partners und des sozialen Umfelds
  • Ein unrealistisches Bild der Mutterrolle
  • Probleme bei der Findung eines neuen Lebensrhythmus

Postpartale Depression: Folgen

Die Folgen einer postpartalen Depression sind vielseitig. Mütter, die unter einer postpartalen Depression leiden, sind im Umgang mit ihren Babys meist distanzierter und haben Mühe auf die Signale ihres Babys zu reagieren. Dazu kommt, dass sie weniger Körperkontakt zu ihrem Baby suchen und Distanz wahren. Das kann nicht nur die Mutter-Kind Bindung stören, sondern auch zu emotionalen und kognitiven Entwicklungsstörungen des Babys führen.

Postpartale Depression: Wann solltest du zum Arzt?

Je früher eine postpartale Depression erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Für eine Früherkennung ist es wichtig, dass du dich traust über deine Gefühle, Ängste und Sorgen zu reden. Wenn du Schuldgefühle oder ähnliche Symptome bei dir erkennst, trau dich das anzusprechen. Keine Mutter ist perfekt und es ist in Ordnung Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Oft ist es jedoch so, dass Frauen die Symptome verstecken und Partner die Situation erst zu spät erkennen. Deshalb ist es umso wichtiger, die frischgebackene Mutter in der ersten Zeit nach der Geburt zu unterstützen, ihr Pausen zu verschaffen, offen mit ihr über ihre Gefühle zu reden und ihr Hilfe anzubieten. Denn oft fehlt betroffenen Müttern die Energie oder der Mut, um sich selbst einzugestehen, dass sie Hilfe brauchen.

Postpartale Depression: Behandlung

Bei einer postpartalen Depression ist die Behandlung von der Schwere und der Ausprägung abhängig. Während der Baby Blues von selbst wieder abklingt, erfordert eine postpartale Depression professionelle Hilfe. Je nach Schwere der Depression werden mehrere Behandlungsansätze kombiniert.

  • Medikamentöse Behandlung: Die medikamentöse Behandlung hilft dir, deinen Alltag besser bewältigen zu können. Dein Arzt wird mit dir die verschiedenen Medikamente und Nebenwirkungen besprechen, um dir bestmöglich zu helfen und das Stillen nicht zu beeinträchtigen.
  • Psychotherapie: Das Ziel ist es, dich über die Krankheit aufzuklären und dir zu helfen, dich auf die neue Situation einzustellen. Durch die Therapie kannst du es schaffen, deine neue Rolle mit einem guten Gefühl zu bewältigen. In der Gesprächstherapie wird an der Mutter-Kind Bindung gearbeitet. Dadurch kannst du mehr Selbstvertrauen bekommen und dich besser fühlen. Um dich zuhause zusätzlich zu entlasten und mögliche Krisensituation zu lösen oder vorzubeugen, können dein Partner und einige Angehörige in Gespräche mit einbezogen werden.
  • Selbsthilfegruppen: In Gesprächsgruppen hast du die Möglichkeit dich mit anderen betroffenen Müttern auszutauschen. Du kannst Erfahrungen teilen und lernst Strategien, wie du in Stresssituationen mit deinem Baby umgehen kannst. Auch Kontakte zu anderen Müttern, die das Gleiche wie du durchmachen, können oft helfen.
  • Betreuungsdienste: Dein Arzt kann dir die Hilfe eines Betreuungsdienstes, wie zum Beispiel einer Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung, verschreiben. Diese wird dann von der Krankenkasse übernommen und kann dich im Alltag entlasten. Auch Hebammen oder Sozialpfleger können dich in dieser schweren Zeit unterstützen.
  • Klinikaufenthalt: Bei einer schweren Form der postpartalen Depression oder einer postpartalen Psychose wird oft zu einem gemeinsamen Klinikaufenthalt geraten.

Postpartale Depression: Das kannst du selbst tun

  • Setze dich nicht unter Druck: Die perfekte Mutter gibt es nicht. Es ist in Ordnung nicht immer zu wissen, was dein Baby braucht oder warum es gerade schreit. Um dein Baby besser kennenzulernen, braucht es Zeit. Du wirst sehen, dass die Abläufe mit jedem Tag routinierter werden. Und wenn etwas Mal nicht klappt, oder du nicht mehr weiter weißt, kannst du deinen Frauenarzt oder deinen Hausarzt jederzeit um Hilfe bitten.
  • Lass dir helfen: Im Wochenbett ist es normal, dass der Haushalt liegen bleibt. Das hat nichts mit Versagen zu tun und macht dich nicht zu einer schlechten Mutter. Es gibt viele Tipps und Tricks, die dir die Zeit im Wochenbett erleichtern können. So kannst du dich auf dein Baby und deine Regeneration konzentrieren, ohne dich um den Haushalt oder Geschwisterkinder Sorgen zu müssen.
  • Traue dich darüber zu reden: Eine Depression ist eine Krankheit und du musst dich dafür nicht schämen. Traue dich das Thema bei deiner Hebamme, Arzt, deinem Partner oder anderen Vertrauenspersonen anzusprechen. Besonders deine Hebamme oder dein Arzt kennt sich mit der postpartalen Depression aus. Sie können dich unterstützen und dir Ansprechpartner vermitteln.
  • Erwarte nicht zu viel auf einmal: Eine Behandlung braucht Zeit. Die postpartale Depression verschwindet nicht über Nacht, kann aber erfolgreich therapiert werden. Hab Geduld, Auch, wenn du es dir jetzt noch nicht vorstellen kannst, aber schon bald wirst du wieder schöne Gefühle wahrnehmen können.
  • Genieße Me-Time: Du bist nicht allein für dein Baby verantwortlich. Gönne dir Zeit ohne Baby. Dein Partner, Familie oder Freunde können sich um dein Baby kümmern. So kannst du neue Energie tanken und hast Zeit für dich.
  • Bleibe in Kontakt: Versuche, mit deinen Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Verabrede dich zum Beispiel zu einem kleinen Spaziergang oder einem Kaffee.