Mehrsprachigkeit:ethnisch Gemischet Familie sitzt zusammen auf dem Sofa

Immer mehr Kinder wachsen in Deutschland zwei- oder mehrsprachig auf. Möchtest du dein Baby auch mehrsprachig erziehen? Dann hast du sicher einige Fragen dazu. Hier haben wir dir die wichtigsten Informationen zur Mehrsprachigkeit zusammengestellt.

Was versteht man unter frühkindlicher Mehrsprachigkeit?

Wenn dein Baby mit zwei oder mehr Sprachen aufwächst, spricht man von Mehrsprachlichkeit. Es gibt viele verschiedene Gründe, weshalb Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen. Vielleicht hat jeder Elternteil eine andere Muttersprache oder eure Familie lebt vorübergehend im Ausland und zu Hause wird eine andere Sprache gesprochen als in dem Land, in dem ihr lebt.

Wie unterschiedliche die Lebenssituationen auch sein mögen, es gibt doch ein paar allgemeine Tipps, wenn dein Baby mehrsprachig aufwächst.

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1. Früh mit Mehrsprachigkeit beginnen

Diese Binsenweisheit trifft auf das Sprachenlernen voll und ganz zu. Bereits im 1. Lebensjahr wird bei deinem Baby der Grundstein für die Sprache gelegt. Wenn ein Kind eine Sprache vor dem 3. Lebensjahr oft und viel hört, hat es die beste Chance, die Sprache mühelos und schnell zu lernen.

Etwa ab dem 6. Lebensjahr lernen Kinder Sprachen auf eine ähnliche Art und Weise wie Erwachsene. Dann wird das Lernen bewusster, mühsamer und langsamer. Für einige Zeit gab es den Mythos, dass eine Sprache zuerst bis zu einem gewissen Grad beherrscht werden muss, bevor die zweite Sprache dazu kommt. Doch diese Behauptung konnte wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Schaut man sich Menschen weltweit an, sieht man, dass die Mehrheit mit zwei oder mehr Sprachen aufwächst. Die Einsprachigen sind global gesehen in der Minderheit.

2. Muttersprache benutzen

Mit Sprache teilen wir uns mit. Wir fassen unsere Gefühle und Wünsche in Worte und teilen sie mit anderen. Das schafft Verbindung und Verständnis. Für die Eltern-Kind-Bindung ist es wichtig, dass du dich in der Sprache, die du mit deinem Baby sprichst, zu Hause fühlst.

So kannst du die ganze Bandbreite an Nuancen, Empfindungen und Eigenheiten, die deine Sprache bietet, deinem Baby weitergeben.

3. Sprachvorbilder suchen

Es ist wichtig, eine Sprache gut zu sprechen, wenn man sie an ein Kind weitergeben möchte. Das ist nicht einfach. Wenn du zum Beispiel in Deutschland lebst, aber die deutsche Sprache noch nicht gut genug sprichst, dann kannst du versuchen, andere Personen in deinem Umfeld zu finden, für die Deutsch die Muttersprache ist.

Spricht dein Partner Deutsch oder Opa und Oma? Oder hast du vielleicht deutsche Freunde oder Nachbarn? Es gibt auch verschiedene Kurse und Babygruppen, die einen Einstieg bieten können, um dein Baby langsam in das Deutsche einzugewöhnen.

Meistens reichen ein paar Stunden die Woche für dein Baby nicht aus, um eine Sprache zu lernen, aber es kann ein Anfang sein. Im Kindergarten werden dann die Erzieherinnen und Erzieher zu Sprachvorbildern.

Wusstest du, dass…?
es in Deutschland Sprach-Kitas gibt. Dort arbeiten extra ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen, die wissen, wie sie die Sprache deines Kindes am besten fördern können. Gerade Kinder, die zuhause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, können von diesen Kitas profitieren.

4. Setze dir klare Ziele

Manchmal kommt das zweisprachige Aufwachsen ganz von selbst und funktioniert problemlos. In den meisten Familien kommt es aber früher oder später zu herausfordernden Phasen. In diesen Zeiten hilft es, klare Ziele vor Augen zu haben.

Meistens ist die Schulzeit eine Zeit, in der die Sprache, die in der Schule gesprochen wird, überhandnimmt. In dem Fall kann es helfen, zu wissen, welche Ziele du in der Zweitsprache verfolgst. So kannst du bewusst Möglichkeiten suchen, die zweite Sprache zu fördern.

Jede Familie und Situation ist anders und Ziele können unterschiedlich ausfallen. Wohnst du vorübergehend im Ausland, möchtest aber nach einigen Jahren wieder nach Deutschland zurückkehren? Dann ist es hilfreich, wenn dein Kind nicht nur Deutsch versteht und spricht, sondern auch schreiben und lesen lernt. So kann es sich später wieder problemlos in das deutsche Schulsystem eingliedern.

Aber vielleicht ist es auch andersherum, du lebst in Deutschland und kommst ursprünglich aus einem anderen Land? Dann stellt sich die Frage, wie gut dein Kind die Herkunftssprache beherrschen soll? Ist es genug, wenn es sie versteht? Soll es sich auch gut verständigen können? Oder soll es in der Sprache auch lesen und schreiben lernen?

Je früher du dir klar wirst, was für dich und deine Familie wichtig ist, desto besser. So kannst du frühzeitig vorsorgen und ersparst dir später vielleicht das ein- oder andere Problem.

5. Auf Herausforderungen gefasst sein

Wird Deutsch als Zweitsprache im Kindergarten gesprochen und gelernt, dann ist es normal, dass dein Kind bestimmte Phasen durchläuft, bevor es Deutsch beherrscht. Es kann hilfreich sein diese Phasen zu kennen, um nicht verunsichert zu sein.

Wenn Kinder in den Kindergarten kommen, aber noch kein, oder nur wenig Deutsch verstehen, ist es normal, dass das Kind für einige Tage erst mal nicht viel spricht. Es hat viel zu verarbeiten und braucht Zeit, bis es sich in der neuen Sprache orientieren kann.

Zunächst wird es wahrscheinlich einfache Sätze und Wörter benutzen. Mit der Zeit wächst der Wortschatz und nach etwa 10 Monaten kann sich das Kind normalerweise gut in Deutsch verständigen. Grammatische Fehler können noch etwa 3 Jahre später auftreten.

Wenn dein Kind zu Hause kein Deutsch spricht, solltest du im Kopf behalten, es spätestens mit 3 Jahren an die deutsche Sprache heranzuführen. So kann es bis zum Schulalter in die deutsche Sprache hereinwachsen und wird in der Schule keine Probleme haben.

Einzelne Fehler können noch bis ins Jugend– oder Erwachsenenalter bestehen bleiben, das ist aber normal und selbst Muttersprachlern widerfährt immer wieder der ein- oder andere Fehler.

6. Kein Zwang und Druck

Zwang und Druck helfen beim Sprachenlernen nicht weiter. Viel mehr sorgen sie dafür, dass dein Kind Blockaden aufbaut und die Lust am Lernen und Sprechen verliert. Es kann frustrierend sein, wenn dein Kind aufhört, eine Sprache zu benutzen. Gerade, wenn es anfängt in die Schule zu gehen, kann es passieren, dass dein Kind nur noch Deutsch mit dir sprechen möchte. Auch, wenn du vorher in deiner Muttersprache mit deinem Kind gesprochen hast.

In dem Fall ist es hilfreich, dein Kind dazu zu animieren, auch weiterhin mit dir in deiner Muttersprache zu sprechen. Zum Beispiel könntest du versuchen, gleichaltrige Spielkameraden zu finden, die die gleiche Sprache sprechen wie du oder ihr könntet zusammen schöne Geschichten in deiner Muttersprache lesen oder gemeinsam Lieder singen.

Manchmal bieten auch Büchereien und Familienzentren Geschichtsstunden oder anderes in unterschiedlichen Sprachen an.

7. Vielfältiges Sprachangebot bieten

Es gibt viele unterschiedliche Methoden für das mehrsprachige Aufwachsen. Zum Beispiel kann festgelegt werden, dass eine Person immer in einer Sprache zu dem Baby spricht. Bei dieser Methode spricht dann beispielsweise der Vater immer Deutsch und die Mutter immer Griechisch.

Eine andere Methode ist, dass an einem Ort eine Sprache gesprochen wird. Zum Beispiel zu Hause immer Türkisch und draußen Deutsch. Der Vorteil von diesen Methoden ist, dass verlässliche Routinen und Alltagsstrukturen grundsätzlich förderlich für Babys und Kinder sind.

Der Nachteil kann sein, dass dein Kind nicht den vollen Wortschatz einer Sprache mitbekommt. Wenn zum Beispiel nur beim Essen Italienisch gesprochen wird, dann wird das Kind zwar Wörter für Apfel und Brot kennen, andere Alltagswörter werden aber fehlen.

Da jede Familie und Situation anders ist, kann man nicht grundsätzlich sagen, welche Methode die Beste ist und immer funktioniert. Aber mithilfe der oben genannten Tipps kannst du dir vielleicht selber einen Weg finden, der für dich und deine Familie funktioniert.