Sekundäres Ertrinken: Mama und Baby genießen die Zeit im Schwimmbad.

Die meisten Eltern wissen nicht, dass Kinder auch bis zu 24 Stunden nach einem Badeunfall an den Folgen sterben können. Wir verraten dir, wie du richtig reagierst, wenn dein Kind viel Wasser geschluckt hat und wie du sekundäres Ertrinken erkennst.

Dass ihr Kind ertrinkt, ist der Albtraum aller Eltern. Leider kommt es dennoch viel zu häufig vor. In Deutschland gehört das Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern.

Das liegt vor allem daran, dass Kinder schnell und leise ertrinken. Laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, der DLRG, ertrinken Kinder im Schnitt in 30 bis 90 Sekunden. Denn Kinder verfallen in eine Schockstarre, wenn sie ertrinken. Sie überstrecken den Kopf und schnappen nach Luft. Dabei verschlucken sie Wasser und die Stimmritze verschließt sich. Sie bekommen keine Luft mehr und können nicht um Hilfe rufen. Deshalb ertrinken Kinder oft, ohne, dass es jemand bemerkt.

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Welche Arten von Ertrinken gibt es?

Aber nicht immer ist ein Badeunfall der Grund dafür, dass Kinder ertrinken. Was viele Eltern nicht wissen ist, dass Kinder auch nach dem Schwimmbadbesuch ertrinken können. Denn wenn ein Kind größere Mengen Wasser verschluckt und das Wasser in die Lunge gelangt ist, können Kinder auch noch Stunden später an den Folgen sterben. Das nennt man sekundäres Ertrinken.

Sekundäres Ertrinken

Das zweite oder sekundäre Ertrinken kann entstehen, wenn beim Baden und Planschen oder nach einem Badeunfall viel Wasser in die Lunge gelangt. Das Wasser löst Entzündungsreaktionen in der Lunge aus. Außerdem sammelt sich Wasser im Lungengewebe, es entstehen sogenannte Ödeme. Das stört den Gasaustausch in der Lunge und das Kind bekommt immer weniger Sauerstoff. Je länger das sekundäre Ertrinken unbehandelt bleibt, desto weniger Sauerstoff bekommt das Kind. Der Sauerstoffmangel kann unbehandelt zum Tod führen. Aber keine Angst, das sekundäre Ertrinken ist sehr selten. Es macht nur etwa 1 bis 2 % aller Ertrinkungsunfälle aus.

Hinweis

Nicht immer ist ein Badeunfall schuld

Wenn dein Kind nicht gerade einen Badeunfall hatte oder hustend aus dem Wasser kommt, ist es schwer zu erkennen, ob dein Kind viel Wasser geschluckt hat. Behalte dein Kind nach dem Schwimmen im Auge, wenn du dir nicht sicher bist.

Sekundäres Ertrinken erkennen, das sind die Symptome

Wenn dein Kind einen Badeunfall hatte oder besonders viel Wasser geschluckt hat, solltest du es in den nächsten 24 Stunden gut beobachten. Anhand dieser Symptome kannst du das sekundäre Ertrinken erkennen:

  • Müdigkeit
  • Husten und schwere Atmung
  • Erhöhte Temperatur und Fieber
  • Schmerzende Brust oder Druck auf dem Brustkorb
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Teilnahmslosigkeit oder verändertes Verhalten
  • Lippen verfärben sich blau

Wenn dein Kind viel Wasser verschluckt hast und eines dieser Symptome zeigt, solltest du unbedingt ins Krankenhaus. Dort wird dein Kind untersucht und beobachtet.

Wie viel Wasser in der Lunge ist problematisch?

Wenn dein Kind im Schwimmbad ein wenig Wasser schluckt, ist das in der Regel kein Problem. Als problematisch gilt, wenn mehr als 2 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht in die Lunge gelangt. Das heißt, dass schon eine relativ kleine Wassermenge von 16 Milliliter in der Lunge für ein Kleinkind von 8 Kilogramm gefährlich sein kann.

Das Kind selbst im Auge behalten

Behalte dein Kind 24 Stunden nach dem Schwimmen im Auge. So kannst du schnell reagieren, wenn sich die Atmung verändert oder andere Symptome auftreten. Lass dein Kind nach einem Badeunfall bei dir im Bett schlafen, damit du nachts mögliche Symptome erkennen kannst. Wenn dein Kind nachts viel hustet, Atemprobleme hat oder du nachts etwas feststellst, was dir Sorgen macht, solltest du den Rettungsdienst rufen und ins Krankenhaus fahren.

Worin unterscheidet sich trockenes Ertrinken vom sekundären Ertrinken?

Wahrscheinlich scheint es für dich absurd, aber Kinder ertrinken nicht nur in Schwimmbädern, Flüssen oder Seen. Schon kleinere Wassermengen, wie zum Beispiel eine Pfütze, können für Kinder gefährlich sein. Denn der Kopf von Kindern ist im Gegensatz zum Rest ihres Körpers recht groß. Das kann dazu führen, dass sie vorne überkippen. Fällt das Kind dabei mit dem Kopf in Wasser, verfällt der Körper in eine Schockstarre. Die Stimmritze im Rachen verschließt sich und das Kind bekommt nur noch schlecht Luft. Diesen Notfall nennt man trockenes Ertrinken. Oft wird er auch als stilles Ertrinken bezeichnet.

Natürlich kann man in diesem Fall schnell eingreifen und das Kind aus dem Wasser ziehen – WENN du in der Nähe bist und es direkt mitbekommst. Oft löst sich der Stimmbandkrampf von selbst, wenn der Kopf des Kindes aus dem Wasser gehoben wird. Dann kann das Kind wieder normal atmen. Wenn sich der Krampf nicht löst, musst du so schnell wie möglich mit der Wiederbelebung beginnen.